dello Spirito del Bosco

Archiv für September, 2009

Erziehungsfrage

Ich neige zu Abkürzungen. Meistermein ist hier eine Ausnahme: Er meint, er sei mein Meister. Eben: Meistermein. Anders sieht es bei Frana aus. Sie ist meine Mama. Also Frama. Denise ist meine Ziehmutter. Also Dezimu. So wird das Leben einfacher.

Also: Am Wochenende waren Frama, Dezimu und meine Tantchen Chioia und Aysha zu Besuch. Das hat mich über alle Massen gefreut, aber auch geschlaucht. Dafür habe ich jetzt einen eigenen Baum. Der ist sogar mit einem Zeichen markiert. Meistermein meinte zwar, das bedeute „Wanderweg“, aber der hat eh keine Ahnung. Das Zeichen heisst „Amira“. Ganz klar.

Heute nun führte Meistermein mich zu meinem Baum. Und glaubte wohl, ich würde ihm dort wacker ein paar weitere Trüffel ausbuddeln. Nun, das lief so ab: Ich musste mit meiner Nase irgendwo auf den Boden zeigen, mit einer Pfote leicht schaben, und sofort war Meistermein zur Stelle, um mit irrem Blick und einem Suppenlöffel ein riesiges Loch zu Buddeln. SO ist brav! Denn ich hatte anderes zu tun: Schliesslich führten viele andere Hunde ihre Halterinnen Gassi. Die rannten dann durch den Wald, riefen „Reeeheeeeeex!“, „Struppimuppi“ und so Zeugs, wedelten wild und mit verzweifeltem Blick die Leinen, kämpften sich in wadenwärmenden Jogginganzügen durch das Unterholz, während ich schon von weitem sah, dass meine Kumpels eigentlich nur etwas abseits des Weges im Schatten sassen.

Richtig lustig wurde es aber, als ich einen grossen Frosch entdeckte. Er hatte sich im Laub versteckt, ich mit der Schnauze hinter ihm her, Meistermein hinter mir her, und so hüpften wir als Frosch-Hund-Mensch-Kette durchs Laub. Immer wenn ich irgendwo den Frosch aufs Neue erschnupperte, meinte Meistermein, er müsse jetzt nach einem Trüffel graben. Bis er dann endlich mein Spiel durchschaute.

Um ihn zu trösten, zeigte ich ihm dann doch noch vier Pilze, die um meinen Baum wuchsen. Mehr nicht. Schliesslich muss ich ihn gut abrichten.


Rin Tin Tin, Lassie und Flipper

Dass ich das Wasser mag – ach, was schreib ich: LIEBE! – dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Mein Meisterchen jedoch ist eher in die Katergorie der wasserscheuen Nichtschwimmer einzureihen. Passt. Heute führte er mich am Zürichsee aus. Was eigentlich

Ich, nass

Ich, nass

nicht vorgesehen war, aber in der Stadt war es brütend heiss, ich sah den See und zog wie eine Irre. Als er sich endlich erweichen liess, war es zu spät: Ich hatte einen Zugang zum See entdeckt und war schneller drin als er „Stop“ sagen konnte. Und prompt kamen Touristen angeströmt und fotografierten mich, als sei ich etwas, das es sonst auf der Welt nicht zu sehen gäbe.

Zwischendurch kamen ein paar Schwäne und fauchten mich an. Das war mir egal, so lange ich etwas apportieren durfte. Da Meisterchen lediglich ein Trüffel-Überraschungsei zur Hand hatte, warf er es wieder und wieder in den See, und von mir aus hätte dieses Spiel noch lange weitergehen können. Meisterchen meinte dann aber: „Du bist wie ein kleines Kind, das zitternd und mit blauen Lippen aus dem Wasser kommt und meint, es habe nicht kalt.“

Nun habe ich keine Ahnung, wie sich ein kleines Kind fühlt, aber gezittert hab ich schon. Pah, aber nicht etwa, weil ich kalt gehabt hätte.

Jedenfalls hat Meisterchen dann ein paar Mails geschrieben und Anrufe getätigt, und so werde ich nächsten Samstag zum ersten Mal zur Wasserarbeit gehen. Dort sind normalerweise grosse Hunde, die eine Mischung aus Rin Tin Tin, Lassie und Flipper sind: Sie springen aus Booten ins Wasser, retten Ertrinkende, gumpen aus Helikoptern, fliegen zum Mond, erfinden Computer und was-weiss-ich-noch-alles. Ich kann bis heute lediglich Überraschungseier aus dem See retten. Aber wer weiss: Vielleicht werde ich dort noch zum Mini-Flipper.


Eigentlich bin ich ein Fisch

Der Fisch stinkt vom Kopf her, sagt man. Ich bin aber kein Fisch. Sondern eine Lagotto-Hündin. Wobei: Müsste es bei einer Hündin italienischen Ursprungs nicht „Lagotta“ heissen? Oder vielleicht „La Göttin“? Sei’s drum.

Also, wie erwähnt: Ich bin eine Lagotta. Mit einem Hobby: Schwimmen. Egal, ob es draussen regnet, stürmt oder eine Bruthitze herrscht: Wenn ich nicht ins Wasser kann, werde ich depressiv. Oder zumindest etwas unbeweglich. Und manchmal – ich gebe es zu – zickig.

Dann stehe ich im Tram auf meinen Hinterbeinen, damit ich zuschauen kann, wie der See vorbeifährt, kratze mit den Vorderbeinen an der Scheibe, und wenn die Sehnsucht nach Wasser ganz riesig und gewaltig ist, untermale ich dies mit einem dezenten Heulen.

Am liebsten jedoch schwimme ich bei uns Zuhause im Weiher. Dort übe ich mit den Enten Wasserballet. Oder belle – aber unter Wasser. Oder versuche, einen der leckeren Fische zu fangen. Manchmal auch einen Frosch. Oder eine Kröte. Wobei ich die nicht so gut in meiner Schnauze tragen kann. Aber das haben Sie ja wahrscheinlich alles auch schon erlebt. Das Wasserballet mit den Enten zieht übrigens immer wieder mal Publikum an. Dann üben wir Formationsschwimmen: Ich an der Spitze, die jungen Enten hinter mir, und die Entenmamma als Choreographin an der Seite. Oder wir tanzen „Krokodil“: Ich hinter einer jungen Ente her, dann jagt sie mich, und am Ende schwimmen sie im Kreis um mich rum.

Kann ich nicht im Weiher schwimmen, dann eben im See. Oder zur Not in einem Brunnen.

Neben dem Schwimmen pflege ich meinen Kolleginnen- und Kollegenkreis. Wobei ich hier vor allem Tarec erwähnen muss: Einen stattlichen, schwarzen Labrador. Wenn wir uns treffen, dann hab ich selbstverständlich nur Augen für ihn. Und er für mich. Woraus folgt, dass wir uns mitunter auch vom Rudel absetzen. Tarecs zweibeiniger Begleiter ruft ihn dann jeweilen, nimmt eine dünne, längliche Metallpfeife hervor und klickt auch noch so auf einem merkwürdigen Gerät rum, dass es einem nur noch in den Ohren zwackt. Wir haben aber gelernt, dass man solchen Lärm getrost ignorieren kann. Erst wenn Meistermein ruft, renne ich los. Und Tarec mir nach. So erziehe ich ihn ein wenig, und sein Menschbegleiter meint jeweilen bewundernd: „Amira gehorcht prima!“

Nur: Das ist alles Blöff. Sobald ich wieder alleine bin zeige ich gern, dass ich einen dicken Kopf habe.

Eben, das mit dem Kopf, dort, wo der Fisch und ich anfangen zu stinken: Das hat auch mit dem Wasser zu tun. Denn in meinen haarigen Gehörgängen sammelt sich das, und so wuchern dort Pilze oder Milben oder was-auch-immer, die ganz erbärmlich stinken. Das Stinken ist mir ja egal. Aber das Jucken nicht. Haare zupfen finde ich auch eklig. Medikamente im Ohr sowieso. Aber Meistermein  sagt jeweilen: „Amira, du bist kein Fisch, also halt jetzt mal her!“ Und so vertreibt er mit den Gestank. Wobei: Vielleicht bin ich doch ein Fisch. Ein klein wenig jedenfalls. Zumindest dann, wenn ich im Wasser bin.