dello Spirito del Bosco

Archiv für August, 2012

Von Echos, Bällen und sturen Menschen

Manchmal, aber nur manchmal, geht mir Meistermein gehörig auf den Geist.

Dieses Wochenende schaffte er dies sogar zwei Mal. Zuerst, als er mit mir am Samstag loszog, um den Wald zu erkunden. Das ist ja an sich nichts Spezielles oder Grossartiges. Zuhause wissen sie: Wenn er sagt, dass wir zwei Stunden unterwegs seien, kommen wir nach vier Stunden zurück. Diesmal wars ein wenig länger, und das ist nicht meine Schuld.

Denn: Zunächst war alles wie gehabt, ich suchte einen Trüffel, warf ihn Meistermein vor die Füsse und erwartete als Belohnung eine Runde Spiel und Spass. Stattdessen wurde der Kerl gierig und meinte, ich solle gleich nochmal so eine Knolle ausbuddeln. Wollte ich ja. Eigentlich. Aber als ich eben an einen meiner Lieblingsplätze ging, hoppelte mir ein Hase vor der Nase durch. Wir Logotti sind ja normalerweise wirklich nicht auf Jagd aus, aber dieser Hase… nun ja, ich fetzte also hinter ihm her, und Meistermein blieb einfach stehen, brüllte ein wenig in der Gegend rum, und logisch: Wenn er mir nicht nachrennt, kann ich ihn bald nicht mehr hören.

Als ich ihn nicht mehr hörte, er mich nicht mehr sah, und der Hase zwischenzeitlich wohl dank seiner flinken Hinterläufe entkommen war, zottelte ich friedlich wieder den Weg zurück. Bis ich plötzlich Meistermein rufen hörte. Allerdings nicht von dort aus, wo er zuvor war, sondern vom gegenüberliegenden Hügel.

Meinem normalerweise durch Folgsamkeit, Sanftmut, Tüchtigkeit und Fleiss geprägten Wesen folgend (habe ich hier noch irgend einen Bestandteil des Eigenlobes vergessen) raste ich also durch wildes Gestrüpp den einen Hügel runter, den anderen hoch – und fand niemanden. Keinen Meistermein, keinen Hasen, nur einen Reiter mit Pferd. Zwar hörte ich Meistermein noch immer rufen, aber merkwürdigerweise aus verschiedenen Richtungen. Also blieb ich mal auf dem Weg sitzen, der Reiter hielt an und er und sein Pferd musterten mich die längste Zeit.

Irgendwann brüllte der Reiter in den Wald „Ihr Hund ist bei mir“. Naja, nicht gaaanz so freundlich. Es tönte mehr so wie „Ihr Scheissköter sitzt hier auf dem Weg und lässt mich nicht durch!“ Was so gar nicht stimmte.

Jedenfalls tauchte Meistermein schliesslich verschwitzt, keuchend und mit roten Beinen auf und erklärte dem Reiter, dass ich dem Echo nachgerannt sei und er deshalb durch Brennesselfelder hier raufkraxeln musste, ich total harmlos sei (hm, ich denke, der Hase ist anderer Meinung) und er jetzt (hier benutzte er ein etwas übles Wort) sofort einen Brunnen suchen müsse, um seine Beine abzukühlen.

Und während er so mit dem Reiter sprach, schnupperte das Pferd an mir, ich leckte seine Nüstern und wir waren uns sofort einig, dass eigentlich nur der Reiter vor mir Schiss hatte.

Am nächsten Tag dann wollte ich solchen Vorkommnissen gleich vorbeugen und nahm von Anfang an einen Tennisball mit auf den Spaziergang. Damit sollte Meistermein klar sein: Nix Trüffel suchen, nix Hasen jagen, nur Spielen. Endlos.

Das ging auch gut. Bis wir auf einer grossen Wiese angekommen waren, wo mir sofort der Geruch eines anderen Tennisballes in die Nase stach. Also rannte ich los, deponierte meinen Tennisball im Wald und suchte den anderen. Meistermein blieb brav stehen, denn inzwischen habe ich ihn so gut erzogen dass er weiss: Ich komme wieder, wenn ich den Ball gefunden habe oder wenn ich versehentlich in der Badeanstalt gelandet bin und sie mich dort verjagen.

Mit dem neuen Ball wetzte ich zu ihm, und spielend marschierten wir weiter. Nur: Tennisbälle sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, und das Teil hatte schon bald einen Riss.

Hier muss ich anfügen: Ich habe inzwischen gelernt dass jene Sachen, welche ich in den Fluss werfe, einfach davonschwimmen und nicht mehr zurück kommen. Das geschieht sogar mit Tennisbällen. Mit Tannenzapfen. Und Meistermeins Turnschuhen.

Da der Ball also kaputt war, spuckte ich ihn ins Wasser und schaute ihm zu, wie er von dannen schwamm. Schliesslich wusste ich, dass ein zweiter Ball im Wald lag. Doch statt seiner stach mir der Duft eines anderen Tennisballs in die Nase. Näher. Verlockender. Angemoderter. Schlicht: Unwiderstehlich.

Dass zwischen mir und dem Ball ein Maschendrahtzaun war: Was solls? für etwas hat man ja Meistermein. Der sah den Ball nicht, weil er unter Efeu lag, aber ich, ich roch ihn. Ganz deutlich. Und bewegte mich nicht mehr weg. Meistermein musste nun also mit einem Stock durch die Löcher im Zaun stochern, das Efeu anheben, die Hände durch Brennesseln strecken (was der sich auch immer anstellt!), und nach einer Viertelstunde hatte er den Ball entdeckt. Da musste er ihn nur noch in einem abenteuerlichen Balanceakt so über den Hag balancieren, dass ich ihn auch endlich zum Spielen benutzen konnte. Und das Publikum tobte vor Begeisterung.

Endlich, endlich war es soweit, und ich konnte mit der neuen Beute spielen. Ach, was sag ich: Spielen? Nach einigen hundert Metern war auch dieser Ball kaputt. Sie erinnern sich: Es gab da noch einen….
Meistermein ist gut erzogen. Er wartete die ganze Zeit, bis ich wieder bei ihm war und wedelnd den ersten Ball vor seinen Füssel platzierte.

Was ich nicht ganz verstehe ist, weshalb er mich daraufhin an die Leine nahm und nicht mehr spielte. Merke: Menschen sind schwer zu erziehen und ihre Reaktionen noch schwerer zu durchschauen. Aber irgendwann werde ich auch Meistermein fertig erzogen haben.


Welpentreffen 2012

ein unvergesslicher, wunderschöner Tag war das heute. Rita und Werni Gehrig waren fantastische Gastgeber. Es war ein Erlebnis, welches noch gezuckert wurde mit einer Fahrt im alten Saurer. Ich bin völlig hin und weg und unglaublich stolz auf Frana’s Nachzuchten, sie sehen super aus und das Wesen ist einfach fantastisch, keine Zickereien, kein Gekläffe, sie sind alle so, wie ein Lagotto sein muss 🙂